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XT500 Paris Dakar


Paris-Dakar-Jubiläumsfahrt

Das Tagebuch

Der Kurzbericht   ·   Nur Fotos   ·  Das Fazit   ·   Die Presse   ·   Die Vorbereitung

(Die Teilnehmer und die Kosten findet Ihr unter "Vorbereitung".)

Die erste Paris-Dakar Rallye startete am 26. Dezember 1978 und erreichte Dakar am 14. Januar 1979.
Gewonnen hat eine XT500 in der Motorradwertung.

Und in Anlehnung an diese Daten sind wir exakt 30 Jahre später nach Dakar gefahren.
Keine Rallye, kein großes Drumherum, kein Startgeld.
Nur XT500 mit ihren Fahrern - ohne Assistenzfahrzeuge.

Route von Paris nach Dakar

Freitag, 26.12.2008 – Tag 01

Anreise nach Paris Abladen in Paris XTs warten auf den Start
Eiffelturm 12 XT500 Fahrer

Um 3:50h starten meine Frau Sandra, unsere Kinder und ihre Freundin Tini mit dem Landy nach Schweden. Nur 25 min danach sind auch Björn und ich auf dem Weg, allerdings nach Paris. Wir fahren mit seinem Westfalia-VW-Bus und unserem Gemeinschaftsanhänger, auf den ich schon vor Weihnachten meine XT01 aufgeladen hatte.

Wir kommen sehr gut voran, unterhalten uns gut und legen uns zuweilen auch mal nach hinten, um eine Tüte Schlaf zu bekommen. Um 14:00h sind es keine 100km mehr bis Paris. Das klappt ja super.

Wir parken den Bus, den Anhänger und die XT vor der Academie de Militair und gehen zu McDonalds etwas essen. 16:00h erreiche ich den Start auf dem Place Jaques Rueff mit der XT und Björn wenig später zu Fuß. Viele Teilnehmer sind schon da. Auch Mex aus Österreich, den wir ja nie vorher gesehen hatten. Großes Hallo und Abladen der XTs. Auch von den Pariser XT-Fahrern sind viele gekommen.

Ich sammle Gurte und Papiere für den Rücktransport ein.

Um Klaus-Peter entsteht viel Aufregung, er kann seinen Pass nicht finden. Das ist doof, ohne den Pass kommt er nicht weit. Teilnehmer und Angehörige helfen mit bei der Suche und glücklicherweise findet er sich in der Rückentasche der Motorradjacke. Alles ist gut.

Björn macht unzählige Fotos, die ersten noch bei Tageslicht, doch die Meisten in der einbrechenden Dunkelheit. Es ist kalt und ein wenig windig.

Alle sind fertig und wollen unbedingt los, so starten wir wenige Minuten nach 18:00h, nachdem Friedhelms Schwimmerkammer noch übergelaufen ist und die XT komplett absaufen ließ. Der Eiffelturm glitzert in seiner Weihnachtsbeleuchtung und 12 XTs starten Richtung süden. Allerdings kommen sie nicht weit, im Stau hinter einer Müllabfuhr fällt den Fahrern auf, dass Friedhelms XT wieder abgesoffen ist und mit ihm vier Fahrer fehlen.

Auf eine Vergaserzerlegung hat nun keiner Lust, und so muß Friedhelm im zähfließenden Verkehr seinen Benzinfluß mit dem Benzinhahn regeln.

Endlos zieht sich die Kolonne durch dem Stadtverkehr aus Paris auf die N20. Wir passieren mehr Ampeln als auf dem gesamten Rest der Reise zusammen. Immer wieder wird die Gruppe getrennt und zerrissen. Martinas XT geht zweimal grundlos aus und springt auch erst nach einer Weile wieder an.

Wir brauchen sage und schreibe vier Stunden für die 140km bis Olivet, einem Ort südlich von Orleans, wo wir in ein Hotel Premiere Classe einkehren. Es ist das gleiche, in dem auch der Heroes Legend 2006-Tross übernachtet hat. Schnell beziehen wir vier Zimmer à drei Mann(Frau) und gehen gegenüber in ein Seafood-Restaurant. Hier mußte Johny erst den Chef überreden so spät noch zwölf Gerichte zu fertigen. Um Mitternacht gehen wir alle völlig erschossen ins Bett.
Warten am Strassenrand Hotel in Olivet Im Muschelrestaurant

Samstag, 27.12.2008 – Tag 02

Pause bei Plus 3 Grad XT-Konvoi auf der Autobahn
Pause an der Autobahn

Schon um 7:00h klingeln in den vier Zimmern die Wecker. Aufstehen, frühstücken und packen. Genau um 9:00h kicken wir die XTs an und fahren Tanken. Es sind -4 Grad, doch schon nach 100km bei der ersten Pause nur noch -1. Auf den Seen neben der Autobahn ist Eis, aber nach weiteren 100km sind +3 Grad. Die Sonne lacht und wir kommen gut voran. Nach 535km erreichen wir um 18:30h in der hereinbrechenden Dunkelheit das Hotel Premiere Classe in Toulouse. Wir beziehen diesmal fünf Zimmer und sitzen schon eine Stunde später hungrig im Restaurant Campanile nebenan. Der Tag lief gut und wir sind guter Dinge auch am nächsten Tag das Etappenziel zu erreichen.

XTs: Marcs XT verbraucht 0,5 l. auf 200km, das müssen wir beobachten

Strecke: 535km bei -4 bis +13 Grad

Schnee, immernoch Schnee parken neben Landy Essen bei Campanile


Sonntag, 28.12.2008 – Tag 03

Pause in Carcasonne Ab Barcelona wird es wärmer Hotel Florida in Miami Platja

Wieder um 7:00h klingeln die Wecker im Hotel Premiere Classe. Aufstehen, frühstücken und packen. Wir sind schon schneller und kommen um 8:30h los. Südlich geht es um Toulouse herum. Die Sonne scheint, doch wir haben sehr starken Gegenwind. In Carcasonne machen wir unsere erste Rast auf einer Brücke mit Blick auf die befestigte Stadt. Bei der Gelegenheit können wir auch gleich die Regenklamotten anziehen, denn der Himmel wird schwarz. Wie auch schon am Vortag, machen wir etwa alle 100km eine Pause. Manchmal gibt es ein paar Sonderpausen, wenn einer der kleinen Tanks besonders schnell leer ist, oder wenn eine XT grundlos meint mal auszugehen. Wir durchschlagen die 1.000km-Marke und überqueren die Grenze nach Spanien. Hinter einer Mautstelle sind noch meterhohe Schneeberge von den Räumfahrzeugen und mittendrin ein Schild Richtung Barcelona. Wie schön, wo wir uns doch immerwieder einreden, dass es ab Barcelona ja wärmer wird.

Mit den letzten Lichtstrahlen beginnen wir mit der Hotelsuche südlich von Taragona. Es gestaltet sich etwas schwierig, da doch tatsächlich keine Saison ist. Speedy und ich suchen die ganze Stadt ab, während die anderen warten. Nichts zu finden. Glücklicherweise kann Mex spanisch und so fragt er sich duch den Ort Miami Platja, bis wir eine Herberge finden. Sie heißt Florida, da hätte man natürlich drauf kommen können. Der Preis und die Zimmer sind ok, nur der junge Herr an der Rezeption ist völlig überfordert. Die XTs stehen direkt vor der Tür, gleich unter den Balkonen und im Bereich der Security-Kameras.

Um 20:30h gehen wir zu Fuß zu einer nahen Pizzeria „El Rancho“ wo wir an einer langen Tafel speisen. Wieder haben wir unser Ziel erreicht und gehen aus Respekt vor dem nächsten Tag früh ins Bett, denn der soll ja 700km lang sein.

Marcs XT geht es wesentlich besser, seit sie mit Bleiersatz gefüttert wird. Wir können uns das nur so erklären, dass die Ventilschaftdichtungen recht ausgehärtet sind und nun durch den Bleiersatz geschmiert werden. Sie liegen besser an und die XT verbraucht wesentlich weniger Öl.

Strecke: 530km von +5 bis +10 Grad



Montag, 29.12.2008 – Tag 04

Pause mit XT 500
Ausrückblech erneuern XTom sucht im Motor rum
XT500 Pause Hotel Florida in Miami Platja

Nach einem spartanischen spanischen Frühstück starten wir bei 8 Grad schon um 8:30h Richtung Süden. Nach 120km sind schon 10 und am Nachmittag sogar 16 Grad. Jürgen fährt eine Etappe vor und bringt uns bei konsequentem Tempo und langer Fahrt ein gutes Stück voran. Wir nennen soetwas von nun an einen Daylight Saving Trip. Bei der Mittagsrast gönnen sich einige in der Autobahnraststätte ein paar warme Nudeln, während Klaus-Peter wie selbstverständlich seinen Kocher auspackt und neuen Tee kocht.

Natürlich müssen wir die letzten hundert Kilometer im Dunkeln fahren, aber das wußten wir vorher und wir haben ja auch keine Eile. Das Schiff fährt ja erst um 23:00h. Schon 2,5 Stunden vorher erreichen wir den Hafen, genug Zeit, um mit ein paar Leuten Axels Motor zu öffnen. Sein Kickstarterausrückblech ist abgebrochen und wir wollen das Bruchstück entfernen. Mex hat sogar Ersatz dabei und so können wir nicht nur Schlimmeres verhindern, sondern den Schaden sogar komplett beheben.

Eine andere Gruppe ist derweil im Supermarkt letzte Einkäufe tätigen. Vorallem die Wasser und Biervorräte werden hier nocheinmal aufgefüllt. Mex und ich kaufen die Tickets und so ist alles erledigt, als wir in den Schiffsrumpf gewunken werden.

Mit ganz normalen Seilen binden wir die XTs an ein Geländer. Es wird schon gehen.

Recht pünktlich legt das Schiff ab. Wir genießen ein Ablegebier (und ein paar Softdrinks) an Deck und lümmeln uns dann in die Lounge. Während Johny und ich die Stempel in die 12 Pässe besorgen, bereiten andere schon ihr Nachtlager auf und vor der Bühne.

Strecke: 700km von +8 bis +16 Grad, Gesamtstrecke etwa 1910km

XT500 mit Seil festbinden Ablegen im Hafen Almeria schlafen auf der Bühne


Dienstag, 30.12.2008 – Tag 05

Africa Race Motos Gruppenbild ab aufs Hochplateau

Wir schlafen ehr schlecht als recht. Martina hat es in diesen Pullmannsitzen versucht, aber das war auch nicht besser. Um 5:30h marokkanischer Zeit wachen wir auf und sammeln uns. Die Fähre legt pünktlich um 7:00h im Hafen von Nador an. Wir binden die XTs los und fahren unter das Zoll-Schleppdach. Es gilt diverse Formulare auszufüllen. Erst jetzt bemerken wir die Rallyetrucks neben uns. Es sind welche von Africa Race, ihr Schiff aus Marseille hat am Kai neben uns festgemacht. Jürgen und ich suchen Hubert Auriol und sagen ihm guten Tag. Er macht einen unglücklichen Eindruck. Vermutlich macht ihm die ASO zu schaffen und seine geringe Teilnehmerzahl. Er hat nur acht Motorräder am Start und fragt uns wieviele wir sind. Die Antwort zwölf machte ihn auch nicht besser gelaunt.

Schon nach zwei Stunden verlassen wir den Hafen und tauschen an der nächstbesten Bank Geld. Alle legen zusammen und Christof macht das klar. Die Sonne lacht und es ist richtig warm.

Als wir uns durch den Straßenverkehr von Nador kämpfen, stellen wir sehr bald fest, dass uns alle Polizisten für Teilnehmer von Africa Race halten. Wenn wir mit unseren Startnummern auftauchen sperren sie die Kreuzungen und winken uns durch. Das ist sehr angenehm, vielen Dank Hubert!

In Taouirte tanken wir das erste Mal – was für eine Wohltat für die XTs – verbleites Benzin. Außerdem kaufen wir Brot und biegen dann auf eine kleinere Straße ab. Diese verläuft sich in Debdou und wir der örtlichen Polizei in die Arme. Man bittet uns äußerst höflich ihnen eine Teilnehmerliste auszuhändigen. Genauso höflich bittet man Martina, das soeben geschossene Foto mit einem Polizisten im Hintergrund, wieder von der Kamera zu löschen.

Natürlich zeigen uns die Beamten auch den richtigen Weg. Er führt über Serpentinen auf ein Hochplateau. Die Auffahrt ist sehr schön, allerdings ist es oben dann um so langweiliger und noch dazu sehr kalt. Ein Schneefeld auf der Straße zwingt uns sogar eine kleine Umleitung zu fahren. Auf der Karte ist die Strecke als Schotterpiste eingezeichnet, doch sie ist geteert.

Kurz von Outat Oulad El Haj erreichen wir wieder die breite Straße im Tal und fahren in den Ort. Nocheinmal wird nachgetankt, bevor wir gleich hinter dem Ort auf eine echte Schotterpiste abbiegen. Es wird schon dunkel und wir wollen uns einen Platz für unser erstes Biwak suchen. Da wird 12 Zelte haben ist das nicht ganz so einfach. Nach etwa 15km finden wir ein gute Fläche neben einem trockenen Bachbett. Jeder schlägt sein Zelt auf, sammelt noch etwas Feuerholz und kocht sich seine Mahlzeit.

Michael und Axel bauen Axels Hinterrad aus und machen den Bremsnocken gängig. Christof dichtet seinen Ölfilterdeckel mit flex&bond ab und ich spanne meine Kette nach. Später treffen wir uns alle im Bachbett am Lagerfeuer. Es ist kalt, doch das Feuer kommt mit Hilfe von Christofs Blasimir gut in Gang. So ist es auszuhalten.

Strecke: 315km, Hafen Nador +20 bis +10 auf der Hochebene

Pause Schon wieder Schnee erstes Biwak

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Mittwoch, 31.12.2008 – Tag 06

Am Morgen auf der Schotterpiste Durch den trockenen Fluss Durch den nassen Fluss

Schon um 5:30 h klingelt der erste Wecker und wir nehmen unsere Tätigkeiten auf. Es ist das erste Mal und so muß jeder erst mal schauen, wie die Handgriffe sitzen. Alles klappt gut und wir sitzen zehn nach acht auf den XTs. Weiter geht es auf der Schotterpiste. Sie ist gut zu fahren, nur ab und zu bremsen uns ein paar trockene Bachbetten. Auf einer großen Piste geht es Richtung Teerstraße, es ist noch weit bis zum Erg Chebbi und dort wollen wir ja gerne Silvester feiern. Doch eine Brücke über einen wasserführenden Fluß ist kaputt und zwingt uns durch eine Furt. Mex fährt zuerst und wundert sich dann doch wie tief das ist. Nach und nach kämpfen sich alle durch die Fluten. Da die Stiefel sowieso naß werden, können wir uns gut gegenseitig helfen.

Es ist zwar bedeckt, aber zum Glück regnet es zunächst nicht. Wir fahren auf der Straße Richtung Süden durch die Gorges du Ziz. Leider wird das Wetter aber schlechter. Auf einem Paß von 1970m sind nur noch 7 Grad. Wir frieren und haben ja alle naße Füße. 100km vor dem Erg Chebbi beraten wir uns und beschließen zu versuchen zum Erg zu kommen, doch der unaufhörliche Regen und die hereinbrechende Dunkelheit machen diesen Versuch zunichte. In Erfoud brechen wir ab und nehmen uns ein Hotel. Auf den letzten km haben wir beinahe diverse Radfahrer über den Haufen genietet. Es ist in Marokko ganz offensichtlich verboten Licht am Fahrrad zu haben.

Im strömenden Regen schieben wir die XTs unter die Markise des Hotels und beziehen sechs Zimmer. Es ist kein Touri-Hotel, sondern ehr etwas einheimisches.

Mex und ich besorgen Zeitungen, damit wir die Stiefel ausstopfen können. Jürgen schöpft derweil die acht Liter Wasser aus seinem linken Koffer. Er hat sie von der Flußdurchfahrt mitgenommen. In der Wüste kann man nie genug Wasser dabei haben.

Wir bestellen Essen im Hotel und verspeisen es im echten marokkanischen Salon. Das Ambiente ist super. In einer Ecke lümmeln wir uns auf die Sofas und machen „Party“. Alle bis auf Friedhelm – er zieht es vor zu schlafen. Er sagt zwar, dass er um Mitternacht zurückkommt, aber er ward nie wieder gesehen.

Die Party ist so wild, wie ihr sie Euch in euren wildesten Träumen nicht vorstellen könnt. Marc holt seinen MP3-Player und Jürgen hat kleine Boxen für die Kopfhörerbuchse dabei. Klaus-Peter schneidet eine Bierdose auf und legt die Lautsprecher hinein – super Resonanzkörper – geht ab!

Wir stoßen nach deutscher Zeit an, so können wir schon kurz nach 23.00h ins Bett, weil wir einfach fertig sind.

 
XTs: Auf der ersten Schotterpiste scheuert Johnys Ölkanister an der Kette auf. Wir füllen das Öl in einen anderen Kanister und kleben das Leck mit flex&bond.

Klaus-Peter muß seinen linken Benzinstutzen am ES-Tank abdichten, Christof die Schwinge nachziehen und Axel eine Schraube am Kickstarter ersetzen. Vermutlich haben wir sie in Almeria nicht richtig festgezogen.

Strecke: 50km Offroad, 290km Teer, Vormittags bedeckt, Nachmittags Regen

Kicken im Fluss Hilfe im Fluss Silvesterparty XT500


Donnerstag, 01.01.2009 – Tag 07

Ortseingang Rissani XT500 Gruppe vor dem Erg Chebbi XToms XT500 XT01

Frühstück gibt es um 8:00h in unserem kleinen Hotel. Baguette, Butter und Marmelade. Davor und danach packen wir und starten recht spät um 9:30h. Es sind zwar noch Wolken am Himmel und riesige Pfützen auf den Straßen, doch es regnet nicht und es sind auch schon blaue Löcher in der Wolkendecke zu sehen. Wir fahren nach Rissani und zum Erg Chebbi. Es ist eine gute Wahl, denn die Wolken verziehen sich und 55km später haben wir strahlend blauen Himmel. 10km vor Merzouga biegen wir von der Straße nach links zu den Dünen ab. Im Ort vor den Dünen ist alles fürchterlich matschig, aber bei den Dünen fährt es sich gut. Wir machen ein Gruppenfoto mit Palmen und Dünen. Ein Stückchen weiter südlich wagen wir uns in die Dünen – und siehe da – der Sand ist so fest von dem Regen in der Nacht, dass wir mit dem Gepäck auf eine kleine Düne fahren können. Cool, das macht Spaß. Mex hat ja eh kein Gepäck an der XT, aber Klaus-Peter, Friedhelm und ich reißen die Koffer von den XTs und surfen nach herzenslust durch den Sand.

Zurück in Erfoud ist es Zeit für eine Mittagsrast. Wir parken gegenüber von unserem Hotel und verteilen uns auf zwei Restaurants um zu essen. Danach tanken wir voll und fahren Richtung Tinerhir. Nur eine Pause können wir uns auf dem Weg dorthin leisten, denn die Sonne neigt sich schon wieder dem Horizont. Genau im Sonnenuntergang erreichen wir den ersten Aussichtspunkt auf das Todra-Tal mit seinen Lehmbauten und Palmen. Schnell ein paar Fotos und ab durch die Todra-Schlucht. Es ist wirklich beeindruckend wie eng sie an der touristisch total vermarkteten Stelle ist.

Nur 6km zurück liegt ein Campingplatz den Christof kennt und dort übernachten wir.

XTs: Klaus-Peter baut nochmal seinen Tank ab und klebt den Benzinstutzen erneut.

Mex reinigt seinen Luftfilter, Martina wechselt eine Glühbirne und ich ersetze eine Schraube an der Schwimmerkammer durch eine durchgehende mit Mutter.

Strecke: 257km, Start bei +7, tagsüber aber wesentlich wärmer

Foto von Michael - Marc gräbt um XTom beim Surfen
in der Todra-Schlucht
Bodennahe Impressionen Das Todra-Tal im Sonnenuntergang


Freitag, 02.01.2009 – Tag 08

In der Todra-Schlucht am Morgen XT500 rules
XTom Startnummer 1
Michael verliert gleich einen Koffer wieder auf einer Schotterpiste

Damit sich alle die Todra-Schlucht auch nocheinmal im Sonnenaufgang ansehen können, ist der Start erst auf 8:30 Uhr angesetzt. Mit soviel Freizeit können aber die Meisten überhaupt nicht umgehen. Nur Speedy und ich fahren die 6 km in die Schlucht und machen noch ein paar schöne Fotos. Die restlichen 10 Teilnehmer packen und frühstücken gemütlich und sind sogar erst um 8:50h am Start. Ja, ja, man darf die Zügel nicht locker lassen ;-)

Wir tanken in Tinerhir und einige tauschen etwas Geld um, dann biegen wir hinter dem Ort auf die Schotterpiste nach Ikniouln. Wunderschön und gut zu fahren. Es gibt keine Komplikationen … na ja, Michael verliert fast seinen linken H&B-Koffer. Er hängt nur noch an einem langen Gurt. Wir begutachten das Trägersystem und geben Hepco&Becker sofort einen Minuspunkt. Mit Endlosschlauchschellen von Mex binden Speedy und Michael den Koffer am Träger fest. Nach 50km auf Schotter erreichen wir Ikniouln und damit eine Teerstraße, Mittagspause auf etwa 1800m. Wir folgen der Straße wieder ins Tal und stoppen das nächste Mal an der Abzweigung zur Dades-Schlucht, der zweiten berühmten Schlucht im Atlas-Gebirge. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für einen Kompromiss. Drei Mann nehmen Platz in einem Café, neun Fahrer fahren so weit wie möglich in das Dades-Tal, um vielleicht die Schlucht zu erreichen. Dafür haben sie 1,5 Stunden Zeit, doch leider reicht sie nicht. Aber trotzdem ist der kleine Abstecher nach Norden schön und läßt die Fahrer und Martina ein paar Eindrücke mitnehmen.

Zurück in Boumalne Dadès tanken wir und Christof muß feststellen, dass seine untere Ölfilterschraube undicht ist. Das Gewinde zieht nicht mehr und es ist schon eine längere Schraube. Gemeinsam suchen wir nach einer Lösung. CU-Scheibe, O-Ring, CU-Draht um das Gewinde … . Das Rennen macht dann Zahnseide von Friedhelm um das Gewinde und eine durchgeschnittene Kabeldurchführung als Dichtung – ebenfalls von Friedhelm. Er kassiert Pluspunkte und wir können weiterfahren. Ziel soll der See vor Ouarzazate sein und wir müssen Gas geben, damit wir ihn noch erreichen. Um 17:30h, etwa 25 km vor Ouarzazate ist ein netter Platz mit Blick auf den See gefunden und sogar noch Feuerholz gefunden (und Palmenholz brennt doch).

Strecke: 250km bei angenehmen Temperaturen

XTs schlängeln sich durch den Anti-Atlas auf dem Weg zur Dades-Schlucht Ölverlust am Ölfilterdeckel


Sonntag, 28.12.2008 – Tag 09

Sonnenaufgang bei Ouarzazate Ait Ben Haddou Offroad in den Atlas

Kurz nach 8:00h starten wir im Sonnenaufgang nach Ouarzazate, wo wir tanken und die Vorräte auffüllen. Ait Ben Haddou heißt das nächste Ziel; eine alte Stadt in der 1962 der Film „Lawrence von Arabien“ gedreht wurde. Schon auf dem Weg dorthin machen wir zwei Fotostopps. Hinter Ait Ben Haddou endet die Straße und eine Piste beginnt. Christof ist sie vor ein paar Jahren mit dem Toyota gefahren und hat sie uns empfohlen. Sie führt in ein Tal hinein, welches sehr schön ist. Die Piste ist ein wenig holprig und hier und da stoßen wir mit den Alukoffern gegen die Wände oder hervorstehende Felsen. Vor einem Anstieg machen wir eine Pause, der eine oder andere ist schon etwas durchgeschwitzt, aber alles ist ok. Dann machen wir uns an den Aufstieg. Einige kippen mal um, aber wir kommen voran. Doch es wird immer schlimmer und ist fast nicht mehr fahrbar. Felsenstufen, Löcher, grobes Geröll und die Angst vor dem freien Fall machen uns zu schaffen. Oben vom Plateau kommen sechs Marokkaner zur Hilfe. Gemeinsam wuchten wir eine XT nach der anderen nach oben. Zu all dem Übel kommen mal von hinten, mal von vorne noch Geländewagen den Pfad entlang. Egal, irgendwie kommen wir oben an, wo wir dann feststellen dass die Marokkaner Händler sind, die oben bei einer Art Aussichtspunkt ihre Berber-Waren anbieten. Für ihre Hilfe müssen wir bei ihnen etwas kaufen. So tun wir und Martina versucht dann einen Pullover gegen ein Schmuckstück zu tauschen. Gute Idee eigentlich und so fangen alle an in ihrem Gepäck nach unbenötigtem Kram zu suchen. Der eine tauscht ein kleines Taschenmesser gegen ein steinernes Kamel, der andere eine Baseballcap gegen eine Kette. Die Situation gerät außer Kontrolle. Michael tauscht seinen Thermoboy gegen eine Versteinerung, ich tausche ein Handwärmekissen gegen eine Muschel und Speedy tauscht einen alten Fotoapparat gegen einen Dolch. Michael legt noch einen drauf und tauscht zwei Packungen Knäckebrot gegen Schmuck und …

Nach mehr als zwei Stunden fahren wir dann sogar mal weiter. Die Strecke ist wesentlich besser als der Aufstieg, aber immernoch tückisch. Michael, Christof und ich sind etwas zurück, da erst Michels und dann Christofs XT nicht anspringen wollen. Wir treffen auf Martina und Speedy. Speedy ist mit dem rechten Koffer gegen einen Felsen gefahren und nach links auf sein Bein gefallen. Erst Martina konnt ihm aus der Lage helfen und beobachtet wenig später, dass Speedy recht blaß aussieht. Ein Griff auf seine Stirn und die Diagnose steht fest: Schock. Speedy muß sich auf den Boden legen, ich spende Schatten für seinen Kopf und Martina hält seine Beine hoch. Speedy verlangt Salzstangen und Cola (hatten wir aber nicht zu Hand) und dass gefälligst Fotos gemacht werden. Nach einer Weile kommen die vorausgefahrenen zurück, da sie sich Sorgen gemacht haben. Schnell wird noch der Kupplungshebel getauscht und es geht mit einem halbwegs erholten Speedy weiter.

Ein Kind wirft einen recht großen Stein nach Jürgen, was dieser nicht bemerkt, aber der dahinter fahrende Mex jagt dem Kind einen gehörigen Schrecken ein.

Wir kommen durch Telouet und wenig später, gegen 17:00h, auf eine Straße. Nach kurzer Besprechung beschließen wir sofort nach einem Übernachtungsplatz zu suchen. Einziger Nachteil: wir befinden uns auf 1930m im Atlas-Gebirge. Dafür sind hier aber Bäume und damit auch eine Menge Feuerholz. Wir finden einen netten Lagerplatz, bauen die Zelte auf und machen ein großes Feuer. Es kann sein, dass Michael seinen Thermoboy und Martina ihren Pullover schon jetzt vermissen, denn es wird kalt – sehr kalt.

XTs: Mal abgesehen davon, dass viele von uns hier und da das Gepäck nachzurren mußten und Speedy ja seinen Kupplungshebel getauscht hat ist nicht viel passiert. Ok, Michels H&B-Träger ist 2x gebrochen, aber das wußten wir ja schon vor der Abreise ;-)

Strecke: nur 121km, davon aber 40 oder 50km Offroad

Pause
es geht nur noch mit Schieben weiter Fliegende Berber Händler
Tauschen, tauschen, tauschen Speedy in Schocklage

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Sonntag, 04.01.2009 – Tag 10

Lager auf 1930m bei -4 Grad Offroadgruppe auf 2250m Pause

Das Lager erwacht um 6:00 Uhr zum Leben. Eine halbe Stunde später krabbel auch ich aus dem Zelt und beginne zu packen. In der Nacht war es unter 0 Grad und hat geregnet und gegraupelt. Eis ist auf den Koffern und Zelten. Friedhelm, der draußen gepennt hat, mußte sich eine Plane aufspannen. Er ist aber am Leben. Jemand entfacht das Feuer und so kann man sich beim Frühstück und zwischendurch mal ein wenig aufwärmen. Hinter den Bergen geht die Sonne auf und leuchtet die restlichen Wolken rot von unten an. Es sieht wahnsinnig schön aus und immer mal wieder machen wir Fotos.

8:10 Uhr fahren wir los, nachdem wir alle erfolglos den zweiten Handschuh von Axel gesucht haben. Auf der kleinen Teerstraße fahren wir immer höher bis wir auf die große Straße treffen. Alles spielt sich über 2000m ab; die Berggipfel sind mit Schnee bedeckt. Die Straße ist in einem guten Zustand und die Kurven machen Spaß – wenn es nur nicht so kalt wäre. Nach 10km kommen wir in einem Ort zu einer Abzweigung an der wir uns zum ersten Mal in eine Offroad- und eine Teergruppe teilen. Der humpelnde Speedy fährt mit Martina, Axel und Jürgen links ab und über Tazenakht nach Talioulne, wo der Rest sie wiedertreffen wird.

Die Offroadgruppe biegt hier in Agouim rechts ab auf eine schmale Teerstraße. Sie windet sich noch über 2250m und geht nach 35km in eine sehr gute Schotterpiste über. Hätten wir das gewußt, wären die anderen sicherlich auch mitgekommen, aber keiner kannte die Strecke und so war das Risiko zu groß. Die Piste verläuft durch ein schönes Tal an einem Bach entlang. Nach 40km wird sie wieder zu Teer und an den Arbeiten und Baumaschinen gemessen wird sie das nächste Mal wohl schon komplett geteert sein. In Abulouz erhalten wir zwei SMS von Speedy, dass die Teergruppe schon am Ziel ist und so geben wir Gas, damit sie nicht so lange warten müssen. Schon nach 30min finden wir sie in einem Café und suchen eine Werkstatt, um Michaels Träger zu schweißen. Schnell ist ein Schlosser gefunden und Klaus-Peter schweißt erst einen Klotz unter Axels Seitenständer und dann die Bruchstellen an dem Hepko&Becker von Michel. Obwohl es dem Schweißer eine Ehre ist uns zu helfen, drücken wir ihm eine Cap und etwas Geld in die Hand.

Christof hat sich derweil rasieren lassen (Minuspunkte) und einige andere etwas zu Essen bestellt.

14:15 Uhr starten wir Richtung Osten zum Start einer Sonderprüfung der Heroes Legend 2006. Es war meine Lieblingssonderprüfung und ich freue mich schon sehr darauf, doch die ersten km sind sehr langweilig. Es geht über ein karges Hochplateau und der gesamte Boden wurde mit einem Traktor über Quadratkilometer aufgerissen, vermutlich damit wenigstens etwas Gras für die Schafe wachsen kann. Hier und da kreuzen wir trockene Bachbetten, die es teilweise in sich haben. Entweder sind sie sandig oder sogar noch matschig.

Schon nach 10km schlagen wir auf völlig freiem Feld unser Nachtlager auf. Die ganze Zeit weht ein kalter und ungemütlicher Wind. Feuerholz gibt es hier mit Sicherheit nicht – so kommt es, dass wir nach dem Essen recht früh im Zelt sind.

Strecke: 225km gesamt, davon 50km Offroad (40+10km)

Piste durch schönes Tal Gepäckträger schweißen Auf der Piste am Abend


Montag, 05.01.2009 – Tag 11

XT500 auf der Piste am Morgen Pause am Brunnen XTs im Gänsemarsch durch die Berge

Bei -4 Grad klingeln die Wecker um 6.00 Uhr und wir stehen auf. Irgendwie fühlt es sich gar nicht so kalt an … oder sind wir nun schon ganz Harte? Glücklicherweise ist der Wind weg, sonst wären einige nicht aus den Zelten gekommen. Wiedereinmal packen und frühstücken wir im Sonnenaufgang. Um 8:00 Uhr kickt Mex wie jeden Morgen seine XT an – er will nicht unhöflich sein, aber er will los. Zuvor hat Friedhelm ja auch alle halbe Stunde seine spanische Sirene betätigt und die Minuten bis zur Abfahrt laut bekannt gegeben. 8:10 Uhr fahren wir los. Axel und ich fahren vor und ich versuche ihm noch ein paar Tipps zu geben so gut ich halt kann. Es ist zwar ab und zu etwas sandig, aber es läuft gut. Die Landschaft ist zunächst immernoch so langweilig wie am Vorabend, aber es wird immer schöner. Langsam legen sie die Zweifel bei allen Teilnehmern, dass dies ja nun die schönste Strecke sein soll und als wir dann an einem Palmental entlang fahren und oben bei der senkrecht abfallenden Felswand stehen staunen alle.

In engen Serpentinen windet sich die Piste an der Felswand hinunter. Unten ist ein kleines Dorf und die Bewohner haben kleine Felder am Fuße der Felswand angelegt. Überall sind Palmen und Lehmbauten. Die Piste schlängelt sich durch das Dorf und ist teilweise so eng, dass ein Transporter schon seine Probleme hätte. An einer Stelle hat man das Gefühl durch einen Palmentunnel zu fahren – superklasse.

Hinter dem Dorf folgt die Piste in oder neben einem trockenen Flußbett. Ich fahre direkt hinter Marc, als dieser mit dem linken Koffer bei voller Fahrt gegen einen vorstehenden Felsen semmelt. Sofort stürzt er auf die rechte Seite und schlägt hart mit der Schulter auf. Heute wissen wir, dass er sich dabei zwei Rippen gebrochen hat. Den Rest der Reise klagt er auf jeden Fall oft über Schmerzen, vor allem beim Husten und Lachen.

Der Metallbenzinkanister, der vorne am Koffer hängt ist unten an der Ecke total platt gedrückt, der Koffer hängt auf halb acht und ist total verbeult.

Trotzdem will Marc sofort wieder aufsteigen und gönnt sich kaum eine Pause, aber schon nach wenigen Kilometern machen wir sowieso eine lange Mittagspause. Alle sind begeistert von der Strecke und dem Tal, selbst Christof, der schon viel in Marokko gesehen hat, sagt, dass es das schönste sei was er je in Marokko gesehen hat. Die Mittagspause ist sehr lang, aber wir verarzten ja auch den armen Marc.

Am Nachmittag – ein  paar Flußbettquerungen weiter – wird Jürgen im Sand mit seiner XT aus der Bahn geworfen und steuert direkt auf eine Felswand zu. Irgendwie schafft er es abzuspringen und die XT knallt ohne ihn gegen die Wand. Jürgen ist zwar etwas bleich, aber er ist ok. Seine XT hingegen hat ein verbogenes Standrohr. Mit vereinten Kräften wird die Gabel gerichtet und die XT fährt halbwegs gerade bis nach Dakar.

Bei Axel läuft es so gut, dass er vorausgefahren ist und alle abgehängt hat. Ich habe ihm nur mit auf den Weg gegeben, dass er an einer Abzweigung rechts den Berg hoch muß – so zumindest bin ich bei der Heroes Legend gefahren. Es wäre wohl auch linksherum gegangen. Als wir bei der Abzweigung ankommen ist keiner zu sehen. Auch Speedy und Mex müßten noch vor uns sein. Wir biegen rechts ab und wollen den Berg hoch. Grobes Geröll und Auswaschungen erschweren unser Vorhaben – Friedhelm bricht, wie er selbst sagt, „kontrolliert den Kupplungshebel ab“ und so müssen wir erstmal basteln. Spontan beschließen wir, dass ein Teil unserer Restgruppe doch links herum fährt. Die beiden Wege treffen sich ja wenig später wieder im Fluß. Als wir den Anstieg erklimmen denke ich die ganze Zeit „hoffentlich hat Axel sich nicht alleine hier hochgequält“ und wir finden auch keinen Axel. Später am Abend erzählt er mir, dass er sehr wohl diesen Berg hochgefahren ist, dann gewartet hat und weil keiner kam wieder heruntergefahren ist. (Soloprüfung bestanden)

Mex ist an der Abzweigung hingegen gleich links gefahren und trifft zu seiner Verwunderung nicht auf Axel sondern auf Speedy. Wie dem auch sei, wenig später sind wir wieder zu zwölft und genießen den Rest der Strecke gemeinsam.

In dem erreichten Ort genießen wir einen Softdrink und brechen recht schnell wieder auf nach Tata. Dort kaufen wir ein und Christof schaut sich den örtlichen Campingplatz an. Der ist aber alles andere als schön und so ziehen wir es vor wieder wild zu campen. Wenige Kilometer nördlich von Tata finden wir einen schönen Platz an einem großen breiten trockenen Flußbett. Axel und Friedhelm finden 1400 Dirham auf dem Boden, aber nach wenigen Minuten kommen Franzosen, die es suchen. Wir sind einfach zu ehrlich …

Da wir uns nur noch auf 660m befinden ist es erstaunlich warm – so warm, dass viele andere Kleidung für den nächsten Tag planen. Futter raus, lange Unterhose weg und Sommerhandschuhe an.

An diesem Abend gibt es kein Feuer, aber wir sitzen trotzdem nett im Kreis zusammen, essen Nüsse von Michael und Marc und quatschen.

Strecke: 80km Piste und … äh … habe ich nicht notiert. Vielleicht 50km Teer

XTom durch eine Ortschaft XT500 Das Palemental
Marcs Unfallschaden
Michael Lager am 11. Tag


Dienstag, 06.01.2009 – Tag 12

Biwak am Morgen XToms XT im Morgengrauen
Tanken in Igherm
Pause auf 1800m Mex on the road

Die Nacht ist angenehm warm und wir starten um 8:00h bei 10 Grad. Wunderschön verläuft die Strecke durch ein Tal und windet sich höher und höher. Doch auf 1.800m ist es ganz schön kalt – so etwa 5 Grad. Und es bleibt so – den ganzen Tag. Wir frieren und km für km durch die Berge und tanken in Igherm. Es ist so ungemütlich, dass wir uns nicht lange aufhalten, weiter nach Tafraoute. Die Hoffnung, dass es auf dem Weg dorthin wärmer wird verpufft im Nichts. Erst im Ort ist es einigermaßen angenehm. Gleich am Ortseingang finden wir einen Schweißer, wo wir mal wieder den H&B-Träger von Michael schweißen lassen und den Träger von Axel richten. Der Rest sucht sich schon mal zwei Restaurants auf die wir uns verteilen. Man muß sich mit 12 Leuten verteilen, da jedes einzelne Restaurant sonst zu lange braucht, um das Essen fertig zu haben. Als wir nach 2 Stunden wieder aufbrechen wollen fehlt Johnys Helm. Er lag neben Christofs Helm auf der Sitzbank und wir waren alle zugegebener Maßen etwas sorglos unterwegs. Der Eine war noch einkaufen, die anderen noch schnell zur Bank und es erfolgte kein Absprache wer bleibt und auf die XTs aufpasst. Im Grunde könne wir froh sein, dass noch alle GPSse da waren. Johny war natürlich ganz schön stinkig und ist mit grimmigen Gesichtsausdruck durch die Straßen gegangen und hat Leute befragt. Die Polizei, die uns vorher schon 2x angehalten und ausgefragt hatte, kam auch vorbei und informierte sich. Ich hatte derweil einen goldenen Bauarbeiterhelm für 5,- Euro gefunden, doch Mithilfe der Polizei bekam Johny für 10,- Euro einen alten roten Integralhelm ohne Visier.

Nun ja, besser als nichts.

Sehr viel später als geplant fahren wir zu den blauen Steinen bei Tafraoute. Ein belgischer Künstler hatte in den 80ern fast 20to. Farbe in die Wüste gekarrt und hier und da ein paar Felsen angemalt. Über Sinn und Unsinn kann man sich streiten, doch es war interessant.

Den Plan nach Bou Jerif zu fahren können wir an den Nagel hängen, es ist schon viel zu spät, doch hier bei der Kälte zu übernachten hat auch keiner Lust und so beschließen wir nach Tiznit zu fahren. Sandra (meine Frau) und ich hatten dort einmal übernachtet (1997). Nach etwa 60km erreichen wir ein durchaus bekanntes Hotel auf einem Bergvorsprung und machen einen kurzen Stopp. Mit einer wichtigen Mine erkläre ich, dass wir uns nun von den Bergen verabschieden müssen und die mit den kältesten Fingern jubeln am lautesten. Wir haben nun also unser persönliches Barcelona erreicht. Von 1.400m bei dem Hotel geht es jetzt stetig bergab.

In Tiznit der Campingplatz ist leider total überfüllt mit überwinternden Rentnern in ihren Wohnmobilen und so fahren wir in der Dämmerung nach Aglou Plage. Das Kaff könnte durchaus Ugly Plage heißen, doch das ist uns egal. An der Außenmauer schlagen wir im Windschatten die Zelt auf, duschen und gehen teilweise noch zu einem Restaurant im „Ort“ etwas essen.

Strecke: 330km, Start auf 660m bei +10, tagsüber 1800m bei +5, abends 40m bei +17 Grad

Speedy in den Bergen XT500 goes West Blaue Steine von Tafraoute


Mittwoch, 07.01.2009 – Tag 13

Fort Bou Jerif Offroadgruppe am Plage Blanche XT steckt im Sand

8:00 Uhr Start und die Küste entlang nach Sidi Ifni. Auf dem Weg stoppen wir an einer schönen Bucht und machen ein Gruppenfoto mit den XTs. Außerdem ruft Axel alle Teilnehmer zusammen und bittet um eine Gedenkminute für Johnys Helm, der ja nun in den Händen der Wilden ist. Es ist das zweite Mal, dass wir so einen theatralischen Moment auf der Reise erleben. Das erste Mal war, als wir Axels Werkzeugdose in den Bergen beerdigt haben und einer Rede am Grab lauschten.

In Sidi Ifni tanken wir und fahren schnell weiter zum Fort Bou Jerif. Die letzten 12 Km dorthin sind Offroad, die wir aber problemlos meistern. Um 12:00 Uhr erreichen wir das Fort und machen eine schöne Mittagspause. Das Fort ist eine alte Fremden-Legionärs-Kaserne und unweit gibt es einen Camping Platz.

Doch wir teilen uns beim Fort in eine Offroad- (5) und Teer-Gruppe (7). Ziel der Offroadgruppe ist die Strecke am Plage Blanche, die Christof schon einmal mit dem Wohnmobil gefahren ist, aber er möchte sich lieber der Teergruppe anschließen. So fahren die fünf Offroader ins Blaue. Der Einstieg der Strecke ist schnell gefunden, doch vielleicht wählen sie schon die falsche Piste nach der ersten Flußquerung. Egal, es ist eine schnelle Piste und es geht gut voran. Nur die GPS-Punkte liegen immer weiter im Westen. Irgendwann ist der Moment gekommen, dass wir uns entscheiden querfeldein auf einen solchen GPS-Punkt zuzufahren. Es ist etwas holprig und sandig, doch es geht. Plötzlich stehen wir an einer Abbruchkante des Hochplateaus und machen dicke Backen. Unten ist ein Flußbett in dem erkennbar eine Piste verläuft. Nur wie kommen wir da runter? Mex und Klaus-Peter finden eine Stelle an der eine Sanddüne an den Abhang geweht ist und wählen sie aus. Einer nach dem Anderen fährt hinab und wir schaffen es auch ohne Probleme. Dann folgen wir der Piste im Flußbett, doch sie verläuft in 180-Grad-Schlangenlinien, so dass wir dem GPS-Punkt nicht näher kommen. Schnell entscheiden wir einen Ausstieg zu nehmen, an dem wir kurz zuvor vorbeigekommen sind.

Wieder sind wir oben auf dem Plateau und müssen die Piste wieder verlassen, um dem GPS-Punkt näher zu kommen. Mittlerweile zielen wir nicht mehr auf einen Punkt am Strand sondern auf den Punkt, der vermutlich das Ksar Tafnidilt ist. Dort wollen wir die anderen wiedertreffen. Noch 17km Luftlinie, noch 15km … noch 10km. Es läuft gut, doch dann wieder eine harte Abbruchkante. Was nun? Fahren wir wieder irgendwo hinab? Aber wenn es falsch ist und das Ksar ist oben auf dem Plateau, dann kommen wir da nie wieder rauf.

Wir haben leichten Handyempfang und schreiben eine SMS an die anderen. Sie haben sogar schon eine SMS mit den richtigen Koordinaten geschickt. Nun nur noch die Frage: oben oder unten? Also ist das Ksar oben auf dem Plateau oder unten im Tal. „Unten!“ lautet die Antwort und so können wir nach 5km an der Kante entlang endlich nach unten fahren. Friedhelm findet einen Weg schäge an einer Kante entlang, während Klaus-Peter und Mex das fahren im weichen Sand in der Fallinie vorziehen. Als Michael und ich sehen wie weit die beiden in dem weichen Sand mit den Vorderrädern einsacken entscheiden wir uns für die Friedhelm-Stecke.

Die Zeit hängt uns ganz schön im Nacken, die Sonne neigt sich schon wieder zum Horizont und uns ist klar, dass wir im Dunkeln keinen Meter mehr querfeldein fahren können. Die letzten Km sind beschwerlich und der Sand ist weich. Erst 4km vor dem Ksar finden wir die Piste wieder, die Christof vermultich gemeint hat, aber es kann auch sein, dass er ganz woanders gefahren ist.

Mit einbrechender Dunkelheit erreichen wir um 18:10 Uhr das Ksar Tafnidilt, in dem sich einige ein Zimmer nehmen und einige zelten. Das mit den Zimmern gibt natürlich Minuspunkte, außer für Marc. Er hatte einen schweren Tag mit der Teergruppe. Immerwieder ist ihm schwarz vor Augen geworden und die ganze Gruppe mußte alle 30min eine Pause machen. Entweder lag es an Marcs Rippen und den Schmerzen, oder er hatte zuwenig getrunken. Auf jeden Fall hat er Erholung und ein Bett verdient.

Strecke: Offroadgruppe 232 km, davon über 100km offroad, Teergruppe 270km

den Abhang hinab Wahnsinn Ksar Tafnidilt


Donnerstag, 08.01.2009 – Tag 14

XT500 Gruppe am Atlantik Pause Offroad für alle

Nach dem Frühstück (einige im Ksar, einige Müsli) starten wir gegen 8:15 Uhr in Richtung Straße. Es sind 6km über eine teilweise sandige Piste. Die Offroadgruppe vom Vortrag schaut sich noch schnell das alte Fort an, bevor sie auch zur Straße fährt. 200km Teer liegen nun vor uns und in routinierte Weise legen wir sie zurück. Auf der Strecke sind viele Polizeikontrollen, die uns gerade in TanTan auffallen. Beim Ortseingang und Ausgang läßt man sich unser „Fiche de Renseignement“ aushändigen. In TanTan-Plage stoppen wir kurz, um unsere Vorräte aufzufüllen, denn heute soll es wieder ein Biwak in der Wüste geben.

Die Mittagspause verbringen wir bei einem Loch in der Steilküste, um das man herumgehen kann und unten das Meer Wellen schlagen sieht.

Bei Km 202 erreichen wir die Abzweigung auf die Piste, abermals eine alte Heroes Legend Sonderprüfung. Obwohl mir Hubert Auriol schon damals beim Start sagte: „Halte Dich links!“ fahren auch wir wieder zu weit rechts und müssen scharf links abbiegen, um auf die richtige Piste zu kommen. Auch diese Piste hatte ich wesentlich leichter in Erinnerung als sie für die Meisten mit dem ganzen Gepäck ist. Es ist holprig und zwischendurch sandig. Johny verdreht sich bei einem Sturz das Knie und einige sind genervt von dem geholper.

Nach 40km, etwa in der Mitte der Strecke, stoppt Speedy plötzlich, jubelt herum und fotografiert ständig seine XT. Die erste Vermutung, dass es sich um einen typischen Wüstenkoller handelt, ist nicht korrekt. Speedy ruft „So sieht eine XT aus, wenn man sie kauft!“ und siehe da, sein Kilometerzähler zeigt 00000,2 km. In einer feierlichen Zeremonie entfernt Speedy den +100.000km-Aufkleber und ersetzt ihn durch einen +200.000km-Aufkleber. (Die spinnen, die XT-Fahrer!)

Mittlerweile ist es so spät, dass es keinen Sinn mehr macht weiter zu fahren. Also schlagen wir das Lager unweit der Piste neben einer kleinen Düne auf. In der Gegend gibt es genug vertrocknete Sträucher und so können wir sogar ein Lagerfeuer entfachen. Der Mond scheint helle und der Wind hört gegen 19.00h auf zu wehen.

Speedy hat zwar an den Aufkleber mit den +200.000km gedacht, aber Sekt und Schnittchen hat er leider vergessen. Martina hilft im aus mit noch originalverpacktem Kuchen aus einem deutschen Diskounter und so können wir die Km-Leistung der XT feiern.

XTs: Michaels Gepäckträger ist schon am Vortag wieder gebrochen und bleibt jetzt so.

News: Heute haben wir die SMS von Jonni erhalten, in der er uns von Tinas Abbruch der Dakar erzählt.

Strecke: 248km gesamt, davon 6km am Morgen und 40km am Abend Offroad

Speedy nullt Biwak in der Wüste am Lagerfeuer


Freitag, 09.01.2009 – Tag 15

Sonnenaufgang auf der Piste Suche nach dem besten Weg
querfeldein zum Meer Kamelherde Spuren

Da es heute wieder eine schwere Offroadstrecke gibt, teilen wir uns gleich am Morgen auf. Die Offroadgruppe startet kurz nach 8:00 Uhr. Es sind die üblichen Verdächtigen: Mex, Klaus-Peter, Friedhelm, Michael und ich. Die Teergruppe ist zwar auch abfahrbereit, doch die XT von Johny springt nicht an. Nacheinander kicken sich einige die Waden dick, doch nichts passiert. Also Kerze raus – neue Kerze – Kerze geht nur noch schief ins Gewinde. Es hilft alles nichts, der Tank muß ab, damit man gucken kann und die Kerze sauber einsetzen. So verzögert sich die Abfahrt um fast eine Stunde. In dieser Stunde ist die Offroadgruppe schon die restlichen 40km der Piste gefahren und trifft auf die Straße. 25km Richtung Süden und gleich wieder rechts ab auf eine Piste am Camp Le Beduin vorbei. Wir folgen der Piste an einem Salzsee entlang. Der See liegt vielleicht 30m tiefer und die Piste ist streckenweise sehr sandig. Im Westen sieht man schon einen Dünengürtel, der immer näher kommt, um so mehr wir nach Norden fahren. Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass sich die Dünen und der Salzsee treffen. Immer wieder ist dann die Piste von Dünen überwandert und ist wird immer schwieriger hinter den Dünen die Piste wieder zu finden.

Nach einigen Kilometern ist der Punkt erreicht, dass wir uns entscheiden einfach nach Westen zu fahren. Irgendwann muß dann ja das Meer kommen und damit der Strand. So fahren wir in die Dünen hinein und hoffen einen Weg zwischen ihnen hindurch zu finden. Natürlich klappt das manchmal nicht und wir stehen in einer sogenannten Dünensackgasse. Klaus-Peter steigt ab und erklimmt die Dünen. Von oben kann er sehen wo es am Besten weitergeht und wo wir die Dünen überqueren können. Mit ein wenig Schwung geht das auch sehr gut. In der nächsten Sackgasse macht sich schon keiner mehr die Mühe abzusteigen und wir überqueren die Dünen einfach an der flachesten Stelle.

Plötzlich können wir die Wellen des Atlantiks sehen und stürmen darauf zu. Es dauert trotz Sichtkontakt noch ganz schön lange und es ist gut, dass wir so schnell fahren, denn die letzten 300m sind sehr weich.

Direkt am Wasser machen wir unsere Mittagspause und lassen uns den salzigen Wind um die Nase wehen.

Etwa 45km geht es nun am Strand entlang nach Süden, doch leider ist der Strand nicht besonders breit und an vielen – vorher nicht erkennbaren - Stellen sehr weich. Vielleicht hätten wir warten sollen, bis die Ebbe mehr Strand frei gibt, aber wir waren uns ja nicht einmal sicher, ob Ebbe oder Flut ist. Also kämpfen wir uns am Strand entlang, manchmal diekt am Wasser, manchmal oben auf dem trockenen Ufer. Am Strand kommt es immer wieder vor, dass man gemütlich mit 50km/h fährt und plötzlich die XT einsinkt und es sich anfühlt als wäre hinten ein Bungeeseil gespannt. Dann hilft nur Runterschalten und viel Gas geben. Wenn es nicht besser wird weichen wir nach oben aus, doch dort ist oft nur eine Fahrspur in ganz weichem Sand. Michael fällt am Strand um und verbeult sich seinen linken Koffer, Klaus-Peter erwischt es in den weichen Fahrspuren oben im Sand und sein Magnettankrucksack fliegt durch die Gegend. Manchmal fahren wir uns einfach nur fest, wenn wir wegen erscheinendener Felsen vom Strand nach oben fahren wollen.

Doch wir helfen uns gegenseitig und kommen gut voran. Klaus-Peter hat noch eine unheimliche Begegnung mit einem Hund, der wenige Meter vor der XT meint aufspringen zu müssen – direkt vor Klaus-Peters Vorderrad. Die XT erwischt den Hund volles Rohr und schon liegen der Hund, die XT und Klaus-Peter im Sand.

Doch der Hund rappelt sich auf, schüttelt sich und läuft davon. Klaus-Peter schüttelt hauptsächlich den Kopf, stellt die XT auf und fährt weiter.

15:00 Uhr erreichen wir den Teer bei Laayoune-Plage und fahren in El Marsow tanken. Mex möchte gerne Kippen kaufen, doch die Verkäuferin hat nur noch eine angebrochene Schachtel und versucht sie Mex stückweise zu verkaufen (1 Kippe = 1 DH). Doch Mex nimmt unter Protest die ganze Schachtel mit.

160km auf der Straße müssen wir noch zurücklegen, um die Teergruppe (die heute ja auch schon 40km Offroad gefahren ist) wiederzutreffen. Treffpunkt ist der Campingplatz in Boujdour. Uns stellt sich jedoch die Frage, ob sie überhaupt vor uns sind, oder wohlmöglich noch hinter uns? Haben sie die 40km Piste gut geschafft? Geht es Marc gut?

Um 18:00 Uhr erreichen wir Boujdour und sehen bei der Polizeikontrolle am Ortseingang, dass der Polizist unsere Liste in der Hand hält. Super, dann sind die Anderen ja hier angekommen.

Auf dem Campingplatz gibt es die Möglichkeit Zimmer zu nehmen und wieder sind da sieben Luschen, die davon Gebrauch machen (aber nicht alles die Gleichen wie beim letzten Mal).

Am Abend gehen wir fast alle in die Stadt (Jürgen bleibt im Zimmer) und suchen ein Restaurant, um zu speisen. Das ist gar nicht so einfach, denn kein Laden hat genug Essen für 11 Personen am Start. Also teilen wir uns auf. Martina geht erst weg, kommt dann wieder und zieht doch wieder alleine los. Axel ist Profi und erkennt hier sofort den Gruppenkoller. Doch Martina bestreitet das Wehement.

Nach dem Essen zieht ein großer Teil noch in eine Bar mit deutschem Namen und Schultheiß-Reklame. Doch das war auch schon alles. Wir kommen in einen Raum im Obergeschoß und man muß das Bier erst irgendwo für uns holen. Das macht es natürlich auch noch teuer. Egal, es ist ein netter Abend und ich trinke ja eh nur Cola.

Strecke: 40km Piste, 25km Teer, 85km Sonderprüfung, 170km Teer (320km)

XT01 im Sand Spuren im Sand
Boujdour
Sand-Salz-Kruste Fleischhandel in Boujdour

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Samstag, 10.01.2009 – Tag 16

Camping in Boujdour am Strand XT500 vor dem Wrack

Um 9:00 Uhr wollten wir starten nachdem alle ihre Einkäufe erledigt haben, doch es wird 9:30 Uhr. Das Bezahlen des Campingplatzes dauert auch seine Zeit, da die am Vorabend von Christof verhandelten Preise plötzlich nicht mehr gültig waren. Es waren Nachverhandlungen nötig. Bezahlt haben wir dann 100,- DH pro Bett und 35,- DH pro Zelt.

Nach 20km kommen wir bei einer Polizeikontrolle zu der Abzweigung hinunter zum Strand. Wir fahren hinab und durch den Sand bis an den Strand. Es ist ein tolles Erlebnis, vor allem für die, die nicht zur üblichen Offroad-Gruppe gehören. Axel fährt einen Kilometer an der Wellenkante entlang und hat mächtig Spaß. Außerdem lädt ein Schaffswrack wenige Meter vor dem Strand zum Fotografieren ein.

Weiter geht es in Etappen von etwa einer Stunde bis zur Abzweigung nach Dakhla. Johny hat ein Problem mit seiner XT, aber er hat mir eine Cola gegeben, damit ich es nicht erzähle. Also mache ich das nicht.

An der Abzweigung ist wieder eine Polizeikontrolle. Einige sind schon hindurch, der Rest ist 300m vor der Kontrolle und „bastelt“ mit Johny.

Eigentlich wollten wir in dem Tal zwischen der Landzunge nach Dakhla und der Küste unser Biwak aufschlagen, so wie es die Hereoes Legend gerne macht, doch es liegt sehr viel Müll herum, ist sandig und bietet keinerlei Windschutz.

Ich versuche einen guten Platz auszukundschaften und zeige ihn auch schon Axel, doch die anderen bekommen einen Tipp von einem Landy-Fahrer, dass 30km weiter ein schöner Platz ist. Axel und ich laden das herumliegende Feuerholz auf und fahren weiter. Der genannte Platz liegt hinter einer Tankstelle an der Küste und ist wirklich schön. Zwar ist es etwas windig, doch die Aussicht auf Dakhla auf der anderen Seite der Lagune entschädigt total. Wir schlagen die Zelte auf und machen ein kleines Feuer. Friedhelm und Christof haben noch Besuch von dem Tankstellenbesitzer, dem angeblich auch diese Campmöglichkeit gehört. Er möchte Miete kassieren, doch die beiden verwickeln ihn so in Gespräche und bieten ihm so viele Leckereien zum Probieren an, dass er davon abläßt.

Der Sonnenuntergang ist wiedereinmal der Hammer, der Mond scheint hell und der Blick auf das beleuchtete Dakhla in etwa 20km Entfernung ist einfach klasse.

Strecke: 356km auf der Straße, bis auf wenige hundert Meter zu dem Schiffswrack

Wasser Onroad Mondlanddschaft Biwak in der Wüste


Sonntag, 11.01.2009 – Tag 17

Toyota-Team ist da Achtung Minen letzte Tanke vor Mauretanien

Als wir an diesem Morgen aufwachen steht ein TOYOTA LandCruiser mit einem Riesenanhänger und drei Zelten neben uns – Das Rücktransport-Team.

Sie sind angekommen kurz nachdem wir in die Zelte gegangen waren. Bis hierher sind sie durchgefahren. Dreieinhalb Tage – durchgefahren!

Freudig begrüßen wir sie, erzählen ein wenig und lassen uns erzählen.

Um 8:30 Uhr sitzen wir trotzdem in den Satteln und lassen das Toyo-Team zurück. An der Grenze wollen wir uns wiedertreffen, vielleicht ist es ganz gut den Zöllnern den Plan zu erklären.

Aber nach 60km müssen wir eine Pause machen und ein wenig an Marcs XT basteln. Der gewählte Platz hierzu beschert uns ein etwas mulmiges Gefühl im Magen, stehen hier doch überall Warnschilder wegen der Minen. Ich weiß nicht genau, ob etwas an Marcs XT gefunden wurde, aber nach kurzer Zeit geht es weiter. Ich hatte die Zeit genutzt, um mit Martina in ihrem Wunderkoffer nach einem Clip für meinen Kickstarter zu suchen.

Wir fahren 80km, machen eine kleine Pause, und erreichen nach weiteren 80km die letzte Tankstelle in Marokko. Wir füllen die Wasser- und Benzinvorräte auf und lassen uns sogar noch einige alte Ölkanister mit Benzin befüllen. Wer weiß wann in Mauretanien die nächste Tanke kommt.

Außerdem verbringen wir hier unsere Mittagspause und geben in dem kleinen Laden die letzten Dirham aus – wir kommen ja nicht zurück!

Um 13:00 Uhr geht es weiter und wir erreichen nach 70km die Grenze. Ein Grenzbeamter winkt uns vor zwei einheimischen wartenden Fahrzeugen in die Grenzstation. Jeder muß zwei gleiche Zettel für die Polizei ausfüllen, danach verschwinden die Zettel mit den Pässen in einem kleinen Raum. Ein Mann sitzt dort und tippt etwas in einen Computer. Wir nutzen die Wartezeit und speisen die Gendarmerie mit einem Fiche ab und den Zoll mit den Zollformularen aus Nador.

Nach über einer Stunde öffnet sich ein Fenster und ein Stempler ruft einen Namen nach dem anderen aller Wartenden auf. Man geht dann an das Fenster, hört noch den Stempel knallen und bekommt seinen Pass.

Wenn man dann denkt, dass man alles erledigt hat, dann kann man nach 30m gleich wieder absteigen. Scheinbar ist es das Militär, das nun nochmal den Pass und den Kfz-Schein in ein Buch abschreiben muß. Danach ist die Abreise Marokko aber erledigt und es geht in den Ex-Minen-Streifen. Etwa 5km geht es auf einer schwer erkennbaren sandigen Piste durch das Niemandsland. Überall liegen Fahrzeugwracks am Pistenrand, doch es sind wohl ehr die Reste von Autoschiebern, als Minenopfer.

Auf der mauretanischen Seite geht es dann wieder los. Die Polizei ist fast mit unserem Fiche zufrieden, nur die Fahrgestellnummer müssen wir nachtragen. Weiter geht es zum nächsten Gebäude zum Stempeln. Es dauert. Die ganze Zeit hängen uns Schlepper und Geldwechsler an den Fersen. Und Campingplätze vollen sie uns anbieten, aber wir wollen nicht. Als ich die zwölf gestempelten Pässe bekomme gehe ich schnurstracks zum Zoll in die Bretterbude. Vor zwei Jahren waren noch alle Stationen in dieser spärlichen Behausung, nun hat die Polizei zwei feste Gebäude und nur der Zoll ist zurückgeblieben. Zu meinem Erstaunen fragt man mich hier nach dem Carnet de Passage. Na gut – kein Problem. Alle packen ihre Carnets aus und ich gebe den Stapel beim Zoll ab. 10,- Euro pro Person kostet das, also sammle ich 120,- Euro ein und gehe wieder in die Bretterbude. Der freundliche Herr in dem Tarnanzug gibt mir sofort die Carnets und sagt „fertig“. Das ging ja echt schnell und unkompliziert.

Kommen wir also zur letzten Station – der Versicherung. Die Bretterbude ist schlimmer als Johnys Hühnerstall. 2m x 1,5m groß, ein Tisch, ein Stuhl. Ein Schlepper hat mir den Tipp gegeben, dass die Versicherung um 7,- Euro kostet. Die machen das, damit sie unser Vertrauen gewinnen, aber wir kommen ja auch gut ohne Schlepper voran. Der Kerl in der Versicherung will aber 10,- Euro, ich biete 6,- Euro und so weiter. Mit dabei die ganze Zeit die Geldwechsler, die wie beim Tennis immer den Kopf von ihm zu mir und zurück drehen. Wir einigen uns auf 85,- Euro für alle 12 XTs und er beginnt zu schreiben, und zu schreiben und zu schreiben. Unglaublich, er muß pro XT einen DIN A4, einen DIN A5 und einen DIN Lang-Zettel ausfüllen. Alles per Hand! Nach einer halben Stunde hat er 3 XTs fertig und ich werde wahnsinnig. 18:30 Uhr, die Sonne geht gleich unter und wir wollen wildcampen. Also kurze Planänderung. Drei Freiwillige bleiben bei der Versicherung und warten, während wir zu neunt schon einen Platz suchen.

Nach nicht einmal 20km ist ein schöner Platz in einer verlassenen Kiesgrube gefunden. Sieben Mann und eine Frau bauen ihre Zelte auf und meines gleich mit, denn ich stehe an der Straße mit einem Knicklicht und warte auf die restlichen XTs und den Toyo. Gegen 20.00 Uhr sind alle da - wir essen und machen ein nettes Lagerfeuer.

Strecke: ca. 330km bei über 20 Grad

Niemandsland - Minengürtel ich warte auf die Nachzügler Lagerfeuer im Kieswerk


Montag, 12.01.2009 – Tag 18

Morgengrauen im Kieswerk Marc mal wieder mit Vollgas Tanken aus Kanistern
Eisenerzzug Sandwind

Wir biegen um 8:20 Uhr auf die Straße und fahren entlang der Eisenbahnlinie nach Osten. Nach etwa 90km biegt die Straße dann nach Süden ab und wir finden kurze Zeit später eine Tankstelle. Sie sieht stark heruntergekommen aus und ein Mann winkt auch gleich ab. Hartnäckig fragen wir nach Benzin und er sagt, dass er nur etwas in Kanistern hat, die Pumpen funktionieren nicht.

Wir verhandeln den Preis und kaufen ihm 80 Liter Benzin ab. Die Kanister werden auf die Pumpen oder alte Fässer gestellt und der Sprit durch einen Schlauch mit dem Mund angesogen. Jeder sieht zu, dass er seinen Tank voll bekommt und die Aktion kostet uns über eine Stunde. Jürgen hat etwas zu wenig abbekommen, aber wir versichern ihm, dass wir ihn nicht in der Wüste stehen lassen.

Frisch betankt fahren wir tiefer in das wilde Mauretanien und erreichen nach weiteren 80km eine neue moderne Tankstelle mit sechs Zapfsäulen. Von wegen kein Sprit in Mauretanien. Nochmal tanken einige und vor allem Jürgen nach und der Sprit ist natürlich auch wesentlich günstiger als vor einer Stunde.

Wir nehmen diese Tankstelle zum Anlaß eine Mittagspause zu machen. Die ganze Zeit weht der Wind stark aus Osten, so dass wir immer in Schräglage fahren. Außerdem bläst er 20cm über dem Boden Sand über die Straße, so dass links alles Matt an den XTs ist. An den Gabelholmen ist links sogar die Farbe ab.

Nach einer Stunde fahren wir weiter und werden plötzlich von Friedhelm überholt. Er hat einen „Langsamfahrkoller“ und muß mal richtig Gas geben. Aber dieses unkontrollierte „Am Gaszug reißen“ hat natürlich seinen Preis. Zunächst kassiert er dafür Minuspunkte und sein Gaszug reißt. Nach über 5000km mit max. 100km/h kann der Gaszug sowas nicht mehr ab.

Nachdem Friedhelms Gaszug repariert ist geht es weiter und wir sammeln schon mal Holz für den kommenden Abend. 40km vor Nouakchott finden wir einen Platz, den man wieder wie eine Art Kiesgrube beschreiben könnte, allerdings ist der Kies kein Kies, sondern Muschelsand. Hier ist alles voll mit Muscheln, nur Sand und Muscheln.

Wieder verbringen wir einen netten Abend am Lagerfeuer.

Strecke: 391km bei bis zu 25 Grad

übliche Behausung in Mauretanien Muschelsand Biwak vor Nouakchott


Dienstag, 13.01.2009 – Tag 19

Reifenflicken Reifenpilot Fischerboot nach Senegal

Pünktlich fahren wir ab, nur Friedhelms Kontaktlinsen wollen nicht so recht in die Augen. Nach 40km sind wir mitten im Verkehrscaos von Nouakchott und halten bei einer wiedermals recht heruntergekommenen Tankstelle. Der Preis ist schnell ausgehandelt: 1 Euro für 1 Liter. Ich tanke als erster und mache mich dann zu Fuß auf die Suche nach einem Fotokopierer. Unsere Fiche gehen zur Neige und da wollen wir lieber nochmal 10 Kopien machen.

Insgesamt tanken wir 175 Liter in alle XTs zusammen und suchen danach den Weg aus der Stadt. Irgendwie sind wir von der Hauptstraße abgekommen und kreuzen sogar noch an Armenvierteln vorbei. Der Verkehr ist unglaublich. Zweispurige Straßen werden vierspurig genutzt und hin und wieder muß man auf „Geisterfahrer“ und natürlich Eselskarren achten. Aber es geht.

40km nach der Tankstelle treffen wir das Toyota-Team am Straßenrand. Sie haben kurz vor einer Polizeikontrolle übernachtet.

80km weiter machen wir erneut eine Pause. Eigentlich wäre es Zeit für eine Mittagspause, aber wir wollen lieber an der Grenze Essen, da dort vermutlich eh lange Wartezeiten auf uns zukommen. Doch als wir weiterfahren hat Marc einen Platten am Hinterrad.

Die XT wird auf die Kante einer Brunnenplatte gewuchtet und das Rad ausgebaut. Ein ordinärer Nagel ist Grund für den Stopp, kein Problem, der Schlauch wird geflickt. Inzwischen kommt aus der Wüste ein laut fluchender alter Mann auf die Gruppe zu. Er hat große Angst, dass Öl in seinen Brunnen kommt, doch die XT ist über einen Meter entfernt und es wird ja auch nichts ölführendes berührt. Egal, der Mann setzt sich vorsichtshalber auf den Brunnen bis die Reparatur abgeschlossen ist.

Weiter geht es zu den wartenden Kollegen einige Kilometer weiter … doch da ist der Reifen wieder platt.

Nun ist uns die Zeit doch kostbarer als der Schlauch und wir benutzen Speedys Reifen-Pilot. Es klappt und Marc kann bis Dakar fahren. Ich finde ja einen Platten bei der Strecke völlig ok.

15.00 Uhr erreichen wir Rosso und werden in den Hafen gelassen. Vor dem Tor sah es recht voll aus, doch innerhalb der Hafenmauer ist es etwas leerer. Ein Zollbeamter gibt uns sofort Anweisungen und gebietet mir die Pässe einzusammeln und mitzukommen. Natürlich soll ich auch Geld mitnehmen.

Nun ja – Stempel hier und Stempel da. Carnets werden gestempelt und Kfz-Papiere abgeschrieben. Und am Ende möchte der Zollbeamte natürlich ein Geschenk haben, obwohl wir uns sicher sind, dass das vorher schon bezahlte Geld nicht komplett in die Staatskasse geflossen ist. Mit Geschenk meint er natürlich auch Geld, mit der Baseballcap ist er keinesfalls zufrieden und so gibt es noch 20 Euro extra.

Bin ich froh, dass sich das immer alles durch 12 teilt.

Nun haben uns natürlich schon die Schlepper vom Senegal an der Angel. Wir müssen und beeilen, denn die Grenze drüben macht zu und man würde uns helfen. Diese Hilfe wollte ich auch gerne annehmen, da wir ja etwa eine Woche vor der Abreise erfahren hatten, dass der Senegal das Carnet de Passage nicht mehr akzeptieren würde. Ich hatte mit der Botschaft in Berlin und in Dakar telefoniert und regen eMail-Verkehr mit einem Motorsportclub im Senegal. Es sah schlecht aus.

Also fuhren Andreas aus dem Toyo und ich mit einem Holzfischerboot und dem Schlepper über den Senegal-River, denn die Grenze zwischen Mauretanien und dem Senegal ist ein Fluß so breit wie die Elbe. Bei dem Holzboot hatten wir ein ganz besonderes Exemplar erwischt. Mitten auf dem Fluß ging der Motor aus und wir trieben Flußabwärts. Mir wurde ganz schön mulmig mit der Plastiktüte in der Hand, in der nun 15 Pässe waren. Ein anderes Boot kam uns zur Hilfe, dann ging der Motor wieder aus, das andere Boot ließ los, der Motor geht wieder aus, das andere Boot kommt zurück … auf jeden Fall zieht es uns dann nach Senegal und läßt uns volles Rohr in eine Gruppe Wäsche waschender Frauen gleiten. Diese können gerade noch die Wäsche retten und sich mit ihren Körben in Sicherheit bringen.

Los geht die lustige Stempelei. An Bord hatte der Schlepper die ganze Zeit mit seinen zwei Handys rumgefummelt (1x Mauretanien, 1x Senegal) und mir dann hin und wieder Preise mit dem Rechner gezeigt, die er braucht, um uns einzuschleusen. Gleich beim ersten Stempelstopp stellt er mir dann seinen Vater vor, der bei der Polizei ist. Das fand ich ja eine Spur weit vertrauenserweckend.

Jeden abgeschriebenen und gestempelten Pass hat der Schlepper dann ins Nebenzimmer zur nächsten Station gebracht. Andreas hat dort ein Auge auf unsere Pässe geworfen. Natürlich hatte ich dem Schlepper erklärt, dass wir auf keinen Fall einen Stempel in den Pass gebrauchen können, der sich auf die XT bezieht, denn die reist ja mit dem Toyo aus und wir mit dem Flugzeug. Er hat das verstanden und mit dem Zollbeamten dann eine gute Lösung gefunden. Alle XTs, der Anhänger und der Toyota kommen auf ein einziges Passavant und das wird dann nur in den Pass von Tom D. gestempelt, dem Besitzer des Toyotas.

Inzwischen ist die Fähre mit den XTs und dem Toyota auch angekommen und da das Gespann und die vielen XTs den ganzen Hafen blockieren, läßt man sie schon aus dem Hafen heraus. Die Pässe waren ja noch in Behördenhand.

Nach nur zwei Stunden ist alles vorbei. Es hat zwar 50,- Euro pro Person gekostet, aber da ist die Versicherung schon mit eingeschlossen. Im Vorwege hatte ich gehört, dass ein Passavant alleine schon 50,- Euro kostet. Insofern waren wir zufrieden.

Es sind noch 107km bis zur ZebraBar und das wollen wir auf jeden Fall schaffen. 107km hört sich auch nicht weiter wild an, aber wir brauchen drei Stunden. Zum Einen ist der Zustand der Straße von der Grenze bis nach St. Louis eine Katastrophe, überall scharfkantige Schlaglöcher im Teer. Zum Anderen haben wir zwei Polizeikontrollen, die nur abzocken wollen. Außerdem wird es dunkel und St. Louis ist auch schon wieder mit abenteuerlichem Verkehr gesegnet.

Egal – um 20.00 Uhr erreichen wir die ZebraBar, wo wir flüchtig angemeldet sind, aber nicht reserviert haben. Woher hätte ich denn ahnen können, dass alle 12 XTs so gut durchhalten und die Fahrer noch dazu.

Trotzdem können wir von dem Buffet für andere Gäste mitessen und die Getränkevoräte sind auch ausreichend.

Nach dem Essen erzähle ich allen, dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass wir so einfach in den Senegal einreisen können. So viele Sorgen hatte ich mir gemacht wegen des nicht mehr akzeptierten Carnet de Passage – alles klein Problem in Afrika.

Erst nach Mitternacht gehen wir ins Bett und träumen vom Lac Rose, den wir morgen erreichen werden.

Strecke: 360km wieder bis zu 25 Grad

auf der Fähre die Pässe sind gestempelt Abendessen in der ZebraBar


Mittwoch, 14.01.2009 – Tag 20

Zebra Bar wilde Tiere Menschenauflauf um die Teilnehmer

Eigentlich wollten wir ja um 9.00 Uhr starten, doch die ZebraBar hat das Frühstück erst kurz vorher fertig, also verschiebt sich der Start um eine Stunde.

Beim Zusammenpacken ruft Axel plötzlich, dass er von wilden afrikanischen Tieren angegriffen wird. Zunächst dachte er, er hätte einen Stein mit in das Zelt gerollt, doch als er hineingriff, war da eine Krabbe mit drin.

16 km geht es auf Schotter bis Poton und dann weitere 34km bis Louga auf einer kleinen Straße. Die Tanke dort hat leider kein Benzin, aber 17km weiter südlich können wir alle tanken.

In Tivaouane machen wir Pause und teilen uns halbwegs unabsichtlich in zwei Gruppen auf. Eigentlich wollten wir alle bis M’Boro fahren und uns dort teilen, doch wir verfahren uns in Tivaouane und müssen 100m durch weichen Sand eiern. Acht Fahrer tun es und vier nicht, dadurch kam die frühe Trennung zustande. Doch das ist kein Problem, denn der Plan stand fest. Wir treffen uns in Kayar am Strand.

Allerdings wollten Martina, Speedy und Axel erst am Strand von M’Boro entscheiden, ob sie nun Teer oder Strand fahren. Die Offroadgruppe kann die drei überreden es zu versuchen. Axel fährt 500m am Strand entlang, der etwa zwei Stunden vor der totalen Ebbe ist und hat überhaupt keine Probleme. Nach dieser Probefahrt steigt er ab, reißt die Arme hoch und brüllt: „Martina, wir fahren nach Dakar!“

Der Strand ist so fest, dass wir zu keinem Zeitpunkt einsinken. Die drei Überredeten sind überglücklich, dass sie mit am Strand sind. Nach 40km, auf denen wir teilweise bis zu 100km/h fahren, erreichen wir Kayar. Hunderte von Menschen sind am Strand und helfen den heimkehrenden Fischern. Wir werden kaum beachtet, als wir vorsichtig durch die Menschenmenge fahren. Johny und Christof stehen irgendwo zwischen den Fischern und fangen Martina, Speedy und Axel ab. Sie verlassen hier den Strand und fahren über die Straße zum Lac Rose. Klaus-Peter, Michael und ich folgen Mex und Friedhelm, die schon weiter gefahren sind. Nach weiteren 20km zeigt der Pfeil des GPS genau nach links zum Lac Rose. Hier müssen wir den Strand verlassen und durch die Dünen. Doch was ist das? Große Zelte und eine Bühne direkt am Rand des Strands. Mit etwas Schwung schaffen wir es bis neben die Absperrung, dann geht es nur noch mit abgelassener Luft aus den Reifen weiter. Die Arbeiter, die die Bühne und die kleine Zeltstadt aufbauen fragen uns aus … und wir sie auch. Aha, am Abend wird hier Yussuendour spielen. Ok, von mir aus.

Irgendwie schaffen Klaus-Peter und ich es über die erste freie Dünenfläche und helfen dann Michael. Ein Stück weiter treffe ich dann Mex und Friedhelm und wenige hundert Meter erreichen wir die Straße und das Hotel Le Palal direkt am Lac Rose.

Die Teergruppe und der Toyota kommen auch gerade an und so können wir einchecken. Immer zwei Mann teilen sich eine kleine Hütte (ein Mann natürlich mit einer Frau) und die drei Toyotas gehen zusammen in eine Hütte. Nach dem Duschen treffen wir uns am See und lassen alles auf uns wirken. Wir können es kaum glauben, dass wir schon hier sind und natürlich sind wir auch ein wenig traurig, dass es vorbei ist. Immer mal wieder fällt der Vorschlag weiter nach Kapstadt zu fahren.

Nach dem Dinner fahren einige noch mit dem Hotel-Landy zum Konzert am Strand, der Rest fällt halbtot ins Bett.

Strecke: 235km, davon 60km am Strand entlang

Martina, wir fahren nach Dakar letzte Etappe am Strand Fischer am Strand
Klaus-Peter im Sand Hütten im Hotel am Lac Rose

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Donnerstag, 15.01.2009 – Tag 21

Sieger Team am Lac Rose Salzgewinnung

Die Abfahrt ist erst auf 13.00 Uhr festgesetzt, da wir ja nicht einmal 50km nach Dakar fahren müssen, weil es hier schön ist und aus einem Grund, den ich den Teilnehmern nicht verraten konnte. Ich hatte mich an die Heroes Legend erinnert, und daran, dass hier um den See eine Menge Künstler rumlungern, die Sandbilder malen. So einen Künstler hatte ich gestern Abend über einen Hotelmitarbeiter hergebeten und ihn gefragt, ob er mir 12 Tafeln mit unserem Logo herstellen kann. Er kann, aber er muß die ganze Nacht durcharbeiten und ist halt erst gegen Mittag fertig.

Auf jeden Fall haben wir um 9.00 Uhr ganz entspannt gefrühstückt und uns 1,5 Std. später zum Fototermin am See getroffen. Das war ein Bild für die Götter. Andreas, Tom D. und Frank vom Toyota-Team haben einen Tisch vor sich mit etwa 15 Fotoapparaten. Sie nehmen eine Kamera nach der anderen, schießen 3-5 Fotos und legen die Kamera auf einen anderen Tisch, damit sie nicht durcheinander kommen. Es dauert ewig, ist aber auch total lustig.

12.00 Uhr bringt mir der Künstler die Tafeln und ich verstecke sie im Toyota. Seit dem Fototermin sind die XT-Fahrer total unruhig und scharren mit den Reifen. Sie wollen los. Nach 20 Tagen fahren, fahren, fahren, können sie nicht mehr anders.

Aber um 13.00 Uhr fahren wir zunächst an den Lac Rose, um am Ufer noch ein Gruppenbild mit XTs zu machen. Doch wir werden sofort von fliegenden Händlern umringt, die wir auch nicht aus dem Bild bekommen. Insofern kommt kein gutes Bild zustande. Egal, wir fahren nochmal am See entlang durch die Salzgewinnung und biegen dann ab auf die Sraße.

Ahhh, verdammt. Genau jetzt reißt mein umgelenkter Gaszug. Das kann doch nicht wahr sein! 6.500km kein Problem und jetzt auf der letzten Verbindungsetappe gibt er auf. Trotzdem bin ich mit der Umlenkung sehr zufrieden, ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schmerzen im Handgelenk, wie sonst immer.

Schnell ist der Zug gewechselt, ich brauchte nur das Leatherman, aber leider nicht schnell genug, um vor den fliegenden Händlern wegzukommen. Schwupp, schon haben wir wieder Kettchen vor der Nase.

Auf geht es nach Dakar. Die kleine Straße ist auf dem Weg zur Hauptstraße teilweise so sandig, dass man sich in Offroad- und Teergruppe hätte trennen können und auf der Hauptstraße ist sofort Caos-Verkehr angesagt. Wir brauchen ewig für die 40km. Ein Krankenwagen mit Blaulicht ist kaum schneller als wir, er wird einfach nicht durchgelassen. Hoffentlich ist der Patient nicht gestorben!

Nach über 1,5 Std. erreichen wir per GPS die Auberge Keur Diame und sind schon etwas erstaunt, in welch heruntergekommenen Gegend sie liegt. Im ersten Moment wünsche ich mich zurück ins Hotel Le Palal am See, doch es entwickelt sich alles sehr gut. Wir packen das gesamte Gepäck in die Zimmer und können 10 XTs in die Garage der Besitzerin stellen. Zwei XTs kommen noch in den Flur und gut. Die Besitzerin Ruth aus der Schweiz rät uns nichts auf dem Anhänger zu lassen und den Toyo abzuschließen.

Innen ist die Herberge sehr nett, hat eine tolle Dachterrasse und sehr nette Mitarbeiter. Nachdem wir uns eingewöhnt haben, fangen wir an die Koffer auszupacken. Was geht mit in das Flugzeug und was geht mit den XTs auf den Anhänger.

Am Abend teilen wir uns auf. Einige gehen in den Straßen etwas „FastFood“ essen, andere nehmen Spaghetti in der Auberge. Später treffen wir uns auf der Dachterrasse und freuen uns … äh … denken über Kapstadt nach … äh nein, doch nicht.

Strecke: 40km bei 30 Grad

XTom muss den Kupplungszug wechseln Sand in den Strassen Caos Dakar
Bowdenzugumlenkung
Die Herberge von innen
vor der Herberge zwei XTs im Flur



Freitag, 16.01.2009 – Tag 22

Tableau aus Sand XT aufladen XT 12 aufladen

Nach dem Frühstück um 8.00 Uhr erhebe ich mich und halte eine kleine kurze Ansprache und überreiche den Teilnehmern ihre Sandtafeln, für die ich noch einen anonymen Sponsor gefunden habe. Alle sind hellauf begeistert über dieses besondere Souvenir.

Nun geht es ans Aufladen der XTs. Alle sind mit dabei, Frank ist der Lademeister. Die Reihenfolge der XTs haben wir festgelegt anhand der Stationen in Deutschland, an denen das Toyota-Team die XTs wieder ablädt. Vier Stopps gibt es: Pfalz (4), Frankfurt (2), Göttingen (2) und Hamburg (4). Als vier XTs auf dem Anhänger stehen verschwinden die letzten zweifelnden Blicke in den Gesichtern der Teilnehmer, ob das wohl passt. Es passt, und wir hätten vom Platz her noch eine 13. XT mitnehmen können. Unter die Motorschutze kommen Packsäcke und zwischen Motorschutz und Vorderrad kommen Alukoffer. Die Gepäckträger werden mit alten Motoradschläuchen umwickelt und mit großen Kabelbindern verbunden. Die Lenker der XTs sind nach links eingeschlagen, falls ein Zoll die Fahrgestellnummern sehen möchte. Die XTs stehen super, ohne einen einzigen Gurt, doch natürlich verzurren wir jede XT konsequent mit vier Gurten. Sie stehen wie eine eins und Friedhelm beklebt noch mit rotem Gewebeklebeband alle Scheuerstellen. Nach drei Stunden sind wir fertig und sehr zufrieden.

In der Herberge setzen wir uns zusammen und übergeben alle relevanten Papiere an Tom D. in einem Ordner mit Unterteilung von 01 – 12. Versicherungen, Kfz-Schein, Carnet, alte Zollpapiere Marokko etc.

Kurz nach dem Mittag bricht das Toyo-Team mit unseren XTs auf in Richtung Zebra Bar, dort wollen sie heute übernachten – Gute Fahrt!

Am Nachmittag fahren wir zu zehnt mit drei Taxen zum Cap Verte, dem westlichsten Punkt Afrikas, und essen in einem Restaurant Seafood.

Auf dem Rückweg bitten wir die Fahrer beim Denkmal von Thierry Sabine anzuhalten. Er, der die Dakar gründete, ist schließlich Schuld daran, dass wir nun hier sind.

Zurück bei der Herberge gehen wir gleich nochmal eine Runde durch Viertel, eigentlich hauptsächlich, um den R4 am Straßenrand zu fotografieren. Klasse.

Am Abend gibt es Hähnchenkeule und Reis bei Ruth, danach gibt es Bier und Cola auf der Dachterrasse. Wir werden träge … und müde … und gehen ins Bett.

Strecke auf XT: 0 km

12 XTs verladen Der Anhänger ist voll Seafood am Cap Verte
Unsere drei 50er Denkmal Thierry Sabine R4


Samstag, 17.01.2009 – Tag 23

Verkehr in Dakar Esel überall Dakar von oben
Eine XT, eine 80er XT Dakar von oben

Der heutige Tag war als Sicherheit gedacht, als wir noch geplant hatten die XTs per Container und Schiff nach Hause transportieren zu lassen. Da war es uns lieber noch ein oder zwei Tage extra zu haben. Wir konnten ja nicht ahnen, dass alles zeitlich so gut klappt. Insofern hatten wir nun noch etwas „Urlaub“, wobei ich mir für einen Urlaub alles andere aussuchen würde, bestimmt nicht Dakar.

Mit drei Taxen fahren wir zu zehnt in die wirkliche City. Mex und Jürgen bleiben in der Auberge. Als wir Downtown ankommen, lassen wir uns am Place de Independence absetzen und werden sofort von fliegenden Händlern umringt. Christof läßt sich vollquatschen, Friedhelm rennt weg, um sich Geld zu besorgen, der Rest steht verloren in der Mitte und ist den Händlern schutzlos ausgeliefert.

So wird das nichts. Martina möchte es gerne alleine versuchen und wir restlichen neun versuchen es gemeinsam. Immer in Bewegung bleiben!

Über einen kleinen Weg erreichen wir das Wasser und haben Blick auf die Insel Goree. Von dort wurden die Sklaven nach Amerika verschifft.

Wir kommen am Hafen an und tauchen wieder in die Straßen von Dakar hinein. Da – was ist das – eine XT! Eine 80er mitten in Dakar. Natürlich bleiben wir stehen und begutachten das gute Stück ganz genau. Aber stehenbleiben bedeutet natürlich auch Kettchen vor der Nase zu haben. Ich fasse einen der Händler an den Schultern und brülle ihm ins Gesicht „Eine XT, eine 80er XT!!!!!“ Verwirrt lässt er von mir ab.

Wir machen Detailaufnahmen der afrikanischen Specials und Christof ist so frech die Kompression zu prüfen. Plötzlich kommt ein Senegalese aus dem Laden vor uns und springt auf seine XT. Das ist im alles nicht geheuer mit den ganzen Weißbroten, die an seiner XT rumfummeln. Er kickt sie an und fährt vollgas durch den Gegenverkehr auf die andere Seite und verschwindet.

Etwas später, wir haben diverse Tourischlepper bei uns, haben einige keine Lust mehr. Zu viert nehmen wir ein Taxi und fahren zurück zum Yoff Plage. Es sind Marc, Johny, Michael und ich. Zusammen mit Mex sind wir die, die am Abend zum Flughafen fahren. Die Belgier und ich fliegen zwar erst am nächsten Morgen um 2:55Uhr, doch die Nacht können wir in der Herberge sparen. Mex und Michel fliegen 23:20 Uhr. In der Herberge packen wir und bezahlen bei Ruth. Es geht dem Ende entgegen.

Um 18.00 Uhr fahren alle aus der Herberge, ins Restaurant Sao Brazil in der Nähe des Flughafens. Ich habe dort mit Marco und Lutz die letzten Stunden vor dem Abflug verbracht nach der Heroes Legend 2006. Dort treffen wir auf Martina und den Rest aus der Stadt. Leider ist es kein festes Gebäude und so wird uns durch den Wind schnell kalt. Egal, wir essen lecker und verabschieden uns dann voneinander. Zwei Taxen mit 5 + Gepäck zum Flughafen und zwei Taxen mit 7 zur Herberge.

Mex und Michael checken ein und können wenig später zum Gate, während die Belgier und ich noch viel Zeit totschlagen müssen.

Tresorhandel Taxi
Abschiedsessen im Sao Brasil Abschiedsessen im Sao Brasil Abschiedsessen im Sao Brasil


Sonntag, 18.01.2009 – Tag 24

Sklaven Insel Hotel Florida in Miami Platja

Gegen 3.00 Uhr fliegen wir auch ab und zwar nach Lissabonn, ich von dort weiter nach Hamburg und die beiden nach Brüssel.

Sandra und die Kinder sind mit meinem Vater am Flughafen, aber mein Alukoffer ist leider nicht da. Er wird am Montag nachgeliefert.

Die restlichen Teilnehmer verbingen diesen Sonntag noch mit einem Ausflug auf die Sklaveninsel Goree und begeben sich erst am Abend des 18.1. zum Flughafen.

Sie erreichen ihre Zielflughäfen erst am Montag Mittag.

Nun sind wir also wieder zu Hause … aber die XTs noch nicht.




Der Rücktransport: 16. - 24.01.2009

Warten am Senegal River Pause in der Wüste neue Reifen in Barcelona

Das Rücktransportteam ist am 16.1.09 gut in der Zebra Bar angekommen und dann gleich am Morgen nach Rosso. Dort haben sie die gleichen Schlepper wie auf dem Hinweg genommen, und doch hat es sich lange hingezogen. Zwei Fähren sind ohne sie abgefahren.
Nach Zahlung von 200,00 Euro auf der senegalesischen Seite und weiteren 300,00 Euro auf der mauretanischen Seite konnten sie endlich weiterfahren. Selbst der Fährmann hat kräftig abgezockt, er hat sich die XTs wegen des Gewichts
auch zahlen lassen. Kurz hinter Rosso ist dann der arme Andreas seiner Magenverstimmung erlegen,
an dieser Stelle mußte erstmal übernachtet werden. Andreas hat sich nur langsam erholt, konnte aber später wieder mitfahren.
Die Einreise nach Marokko verlief einfacher, vor allem da wir die alten Einreisekopien von unseren XTs mit im Ordner hatten.

Als die Jungs neben Dahkla waren, haben sie festgestellt, dass die vorderen Reifen an dem Anhänger anfangen sich aufzulösen. Das hohe Gewicht des Anhängers machte diesen Reifen zu schaffen. (Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle wohl noch 10 Liter Sprit im Tank hatten und einige ja auch beide Koffer mitgegeben haben. Natürlich haben wir alle die schweren Sachen und das Werkzeug auf den Anhänger geworfen. (Mein Koffer im Flugzeug wog nur 14 kg.)
Also schraubten sie das Reserverad an und fuhren weiter. Doch schon wenige hundert km weiter ging es mit dem anderen vorderen Reifen los. Die Lauffläche fing an sich von der Karkasse zu lösen. Also schraubten sie einen Reifen von hinten (Doppelachse)
nach vorne und fuhren weiter. Endlich erreichten sie die Fähre und haben vorher schon in Gibraltar einen TOYOTA Händler
um Hilfe wegen der Reifen gebeten. Als die Fähre im Hafen von Tarifa anlegte, konnten sie aber nicht von Bord fahren.
Keiner konnte von Bord fahren, die Verriegelung der Bugklappe war defekt. Es dauerte 1,5 Stunden, bis das Problem gelöst war. Es wurden nach einer Stunden Schnittchen und Getränke gereicht.

In Algeciras waren keine Reifen aufzutreiben und so verließ man die EU gleich wieder und fuhr nach Gibraltar. Was für ein Akt, denn dort sind keine Anhänger erlaubt. Da ist es etwas eng. Trotzdem fuhren sie bis zum TOYOTA-Händler und schliefen auch eine Nacht im Hotel. Mit den Reifen konnte man ihnen aber auch hier nicht helfen, zu speziell das Format. Also weiter nach Norden. Von unterwegs riefen sie den ADAC an, beschrieben die Strecke und das Problem. Der ADAC machte sich auf die Suche nach Reifen an der Route. Auf irgendeinem Rastplatz wurde dann das ganze Gespann fast geklaut. Sie hatten nur kurz angehalten um zu pinkeln. Tom und Frank hüpfen raus und rennen zum Zaun des Rastplatzes. Darauf hatte ein silberner Golf wohl nur gewartet, denn er hatte sie wohl schon einige Zeit verfolgt. Der Motor des TOYOs lief und der Golf hielt direkt neben dem TOYO. Beifahrer steigt aus und öffnet die Tür des TOYOs ... der auf dem Rücksitz dösende Andreas konnte dann aber die Tat vereiteln.

Irgendwann meldete sich der ADAC mit einer guten Nachricht: Reifen gefunden bei Barcelona. Sie mußten nur kurz von der Autobahn abweichen und tatsächlich hatte der Händler Reifen da. In D kostet so ein Reifen mit Felge EURO 80,00. Hier in Spanien wollte der Händler EURO 150,00 nur für den Reifen. Nun wissen wir nicht, ob es halt so teuer ist, oder ob er von der Notlage wußte. Auf jeden Fall kaufen die Jungs drei Reifen. 

Ja und zwei Tage später waren sie dann hier. 5.00 Uhr bei Christof, 8.00 Uhr bei Martina, Nachmittags bei Speedy und Abends bei mir. Ich glaube am Sonntag haben sie dann durchgeschlafen.

13.000 km in 16 Tagen ist auch ganz schön verrückt!

Von uns nochmal ein herzliches Dankeschön an das TOYOTA-Team für diesen Einsatz!

Abladen in der Pfalz um 5.00 Uhr Ankunft in Hamburg


Die Fahrt zum Zoll 12.02.2009

XT wieder im Schnee
Zollamt Oberelbe Hotel Florida in Miami Platja

Um die Kaution für das Carnet de Passage vom ADAC zurückzubekommen, muß man das Carnet vom Zoll entwerten lassen. D.h. man fährt mit der XT zu einem Zollamt seiner Wahl und läßt einen Zollbeamten Kennzeichen und Fahrgestellnummer überprüfen. Danach stempelt der Zollbeamte das Carnet auf der letzten Seite ab und entwertet es damit. Alle verbliebenen Seiten sind damit wertlos und man kann das Carnet per Einschreiben zum ADAC nach München schicken. Nach ein paar Tagen erhält man dann seine Kaution wiederum per Einschreiben als Scheck zurück. Eigentlich alles relativ problemlos.



Das Fazit der Paris-Dakar-Jubiläumsfahrt 2009

12 XT500 Fahrer XT500 Gruppe am Atlantik Sieger

Es war sicherlich etwas blauäugig von mir diese Ausschreibung einfach so ins Netz zu stellen und alle XT500-Fahrer einzuladen. Es bestand die Gefahr, dass sich auch totale Idioten anmelden. Aber ich habe in den letzten 16 Jahre XT-Enthusiasmus einfach festgestellt, dass es nur einen ganz, ganz geringen Anteil von Idioten in der XT500-Gemeinde gibt. Wenn man dann noch dazurechnet, dass es ja nur um die XT-Fahrer geht, die bereit sind 6500km mit ihrer XT in nicht mal drei Wochen zu fahren, dann geht der Prozentsatz gegen Null.

Wie dem auch sei, die Truppe war superklasse und hat sich sehr schnell zu einem Team entwickelt. Wir haben die meisten Entscheidungen gemeinsam getroffen, oder das Team hat sich meinen Entscheidungen gefügt. Man kann einfach nicht an jeder Abzweigung diskutieren, manchmal sind schnelle Entscheidungen notwendig, auch wenn es die falschen sind. Es ist für die Wartenden nerviger zu warten, als einen Umweg oder falschen Weg zu fahren. Das hat alles hervorragend funktioniert.

Und trotzdem bestand das Team aus total unterschiedlichen Menschen. Ich hätte z. B. nie gedacht, dass ich der jüngste auf der Reise sein werde. Aber einige waren bis zu 11 Jahren älter als ich. Dazu noch die unterschiedlichen Erfahrungen. Klaus-Peter war schon 6 Jahre mit der XT um den Erdball gereist, während Axel das erste Mal mit der XT im Urlaub war. Das war überhaupt kein Problem, denn wir hatten alle das gleiche Ziel: Mit der XT nach Dakar!

Und die XT war eine gute Wahl, denn sie hat ihre Zuverlässigkeit wiedereinmal unter Beweis gestellt. Einfache Technik funktioniert unter allen Bedingungen. Wenn ich rückwirkend Revue passieren lasse, dann hatten wir das abgebrochene Kickstarterausrückblech von Axel, den ewig undichten ES-Stahltank von Klaus-Peter, und den Ölverlust mit dem defekten Gewinde der Ölfilterdeckelschraube bei Christof. Ansonsten lief Marcs XT mal nicht so gut, Johnys XT sprang mal nicht an und Martina hat auch mal eine Zündkerze gewechselt. Andere Probleme, wie abgebrochene Hebel, der mehrfach gebrochenen Gepäckträger von Michael und die teilweise heftig verbeulten Alukoffer, wären bei jedem Motorrad aufgetreten. Wenn ich dann von BMWs höre, die mit leerer Batterie nicht fahren, oder Tinas WR in Südamerika mit Elektriktotalausfall, dann kann ich doch nur Schmunzeln. Natürlich waren alle XTs gut vorbereitet. Anders kann ich mir nicht erklären, dass wir sie mehrmals am Tag einfach angekickt haben und losgefahren sind. Von anderen XT-Ausfahrten kennt man das ja schon, dass eine XT stehen bleibt und nicht anspringen will. Diesen Fall hatten wir vielleicht fünf Mal. Fünf Mal auf 6.500km mit 12 XTs – das ist doch super!

Die Verletzungen der Teilnehmer waren sicherlich schmerzhaft und erinnern einige heute noch an die Reise, aber keiner hat je ein Wort über Aufgeben oder auch nur Pause machen verloren. Marc hat mit seinen zwei gebrochenen Rippen den Vogel abgeschossen, dann Speedy mit der Prellung am Fuß und Johny mit einer Bänderdehnung in einem Knie. Sicher waren da doch ein paar Beulen, Ratscher und blaue Flecke, aber das gehört dazu. Man kann sich auch im Hotelzimmer den Fuß an der Bettkante stoßen. Marc würde auf jeden Fall mit seinen gebrochenen Rippen sofort weiter nach Kapstadt fahren, und so geht es allen Verletzten.

Ja, ich würde es wieder machen: 40 Jahre Paris-Dakar … 

oder 10 Jahre Paris-Dakar-Jubiläumsfahrt 2009 – 2019, 

mal sehen was meine überaus tolerante Frau dazu sagt…

Vielen Dank für Euer reges Interesse!

 

Euer XTom
XTom


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An dieser Stelle möchte ich unseren Sponsoren danken!

www.kedo.com
Black Flys Austria                           
                          
Druckerei Berg GmbH


Und ich möchte allen Fotografen danken:

Christof (CF), Jürgen (JK), Michael (MW), Martina (MvB), Axel (AM),
Johny (JS), Klaus-Peter (KP), Mex (Mex), Speedy (TA), Björn (BN), Tom D. (TD)
(Wenn Ihr wissen wollt, von wem welches Fotos ist,
dann findet ihr im Bildnamen diese (Kürzel). Meine Bilder sind ohne Kürzel.

Und natürlich möchte ich ganz besonders allen toleranten Ehepartnern,
Freundinnen und Freunden, Großeltern und Babysittern dafür danken,
dass sie es diesen 12 XT-Fans möglich gemacht haben teilzunehmen.

Vielen Dank!